Nesting-Software kostenlos: Womit du DXF-Teile wirklich verschachtelst
Verschachtelungssoftware muss kein Geld kosten: Für Laser, CNC-Fräse und Plasma gibt es eine Handvoll ernstzunehmender Gratis-Tools. Aber zwei der bekanntesten werden seit Jahren nicht mehr gepflegt, und die Unterschiede kosten dich im Zweifel Material oder einen Nachmittag. Hier ist der ehrliche Überblick, Stand Juli 2026.
Kurzantwort: Wenn du ein komplett kostenloses Desktop-Tool willst, nimm deepnest-next, den aktiv gepflegten Deepnest-Fork (v1.5.6 vom Mai 2025, Windows, macOS, Linux). SVGnest läuft ohne Installation im Browser, versteht aber nur SVG und wird seit April 2019 nicht mehr weiterentwickelt. Das Original-Deepnest ist seit 2018 verwaist. NestForge (unser Tool) hat ein Free-Tier bis 10 Teile auf 1 Platte ohne Zeitlimit, kostet darüber aber Geld. Alle genannten verschachteln konturgenau (true-shape), nicht nur rechteckig.
Rechteckig oder konturgenau: zwei Arten zu verschachteln
Zuschnittoptimierer, wie man sie vom Plattenzuschnitt kennt, denken in Rechtecken: Um jedes Teil wird ein Kasten gelegt, und die Kästen werden gestapelt. Das reicht völlig, wenn du Regalböden, Kisten oder rechteckige Schilder schneidest. Sobald deine Teile aber Bögen, L-Formen oder Ausklinkungen haben, verschenkt jeder dieser Kästen Material, das du bezahlt hast.
True-shape-Nesting verschachtelt die tatsächlichen Konturen: Winkel haken ineinander, Scheiben rutschen in Buchten, Kleinteile landen in den Löchern größerer Teile. Anbieter von Nesting-Software nennen üblicherweise 10 bis 15 % bessere Materialausnutzung gegenüber rechteckigem Verschachteln. Das sind Herstellerangaben, und sie hängen stark von der Teilegeometrie ab: Wer nur Rechtecke schneidet, gewinnt durch true-shape fast nichts. Bei irregulären Teilen entscheidet es dagegen real darüber, wie viel Verschnitt anfällt und wie brauchbar das Restblech bleibt.
Die Gratis-Tools im Überblick
| Tool | Kostenlos? | Läuft wo | Import | Stand |
|---|---|---|---|---|
| SVGnest | komplett | Browser | nur SVG | ungepflegt seit April 2019 |
| Deepnest (Original) | komplett | Desktop | SVG, DXF, CDR (DXF über Online-Konverter) | letzter Commit August 2018 |
| deepnest-next | komplett | Desktop | SVG, DXF (noch über Online-Konverter) | aktiv, v1.5.6 vom Mai 2025 |
| NestForge | Free-Tier: 10 Teile, 1 Platte | Browser, offline | SVG, DXF (lokal geparst) | aktiv |
SVGnest: gratis im Browser, aber nur SVG
SVGnest ist der Open-Source-Klassiker: nichts zu installieren, keine Teile-Grenze, konturgenaues Verschachteln mit einstellbarem Abstand für Schnittspalt und Steg. Die Grenzen: Es liest nur SVG, kein DXF, zerlegt alle Bögen beim Import in Liniensegmente und läuft konstruktionsbedingt endlos weiter, bis du selbst auf Stopp drückst. Gepflegt wird es seit April 2019 nicht mehr. In den offenen Issues und Foren dokumentiert: Läufe von über 20 Minuten ohne brauchbares Ergebnis, überlappende Teile bei großen Jobs und eine Oberfläche, die bei SVGs mit negativen Koordinaten aussteigt. Für einen schnellen kleinen SVG-Job ohne Installation trotzdem einen Versuch wert.
Deepnest: das Original ist verwaist
Deepnest hat kostenloses True-shape-Nesting auf dem Desktop populär gemacht, und seine Stärken sind real: DXF-, SVG- und CDR-Import, Common-Line-Merging (Teile teilen sich Schnittkanten, das spart Einstiche), Teile in Löchern anderer Teile, sogar Bitmap-Verschachteln für Gravuren. Aber der letzte Commit stammt vom August 2018, seither haben sich 181 offene Issues angesammelt: Skalierungs-Bugs beim DXF-Import, Hänger ohne Fortschritt, Abstürze beim Export, vereinzelt Layouts mit überlappenden Teilen. Dazu eine Architektur-Falle: DXF wird über einen entfernten Konvertierungsserver importiert. Fällt der aus, importierst du nichts. Es gibt heute keinen Grund mehr, das Original zu installieren, denn:
deepnest-next: der aktive Fork und die Gratis-Empfehlung
deepnest-next ist der Community-Fork, der das Projekt weiterführt: MIT-Lizenz, aktive Entwicklung, Version 1.5.6 vom Mai 2025, fertige Installer für Windows, macOS (Apple Silicon und Intel) und Linux, komplett kostenlos. Der Fork behält die Deepnest-Stärken inklusive Common-Line-Merging und hat etliche Altlasten repariert. Eine Eigenheit besteht weiter: DXF-Dateien laufen beim Import noch über einen Online-Konvertierungsdienst, nativer DXF-Import ist laut README in Arbeit. Zum DXF-Verschachteln brauchst du also eine Internetverbindung. Wenn du ein vollständig kostenloses Desktop-Tool suchst, ist deepnest-next die Empfehlung dieses Guides.
NestForge: Free-Tier mit klarer Grenze
NestForge ist unser eigenes Tool, deshalb hier besonders nüchtern. Es läuft im Browser und komplett offline, auch das DXF-Parsing passiert lokal, ohne Konvertierungsdienst. Es verschachtelt konturgenau, erhält Bögen als echte Bögen bis in den Export, rechnet deterministisch (gleicher Seed, gleiches Layout) und lässt jedes Layout von einem unabhängigen, exakt rechnenden Validator prüfen, bevor du es siehst. Das Free-Tier: 10 Teile auf 1 Platte, ohne Zeitlimit, mit vollem Importer, voller Engine und allen Exporten (DXF, SVG, PDF). Mehr Teile oder mehrere Platten kosten Geld.
Was NestForge nicht kann, gehört genauso hierher: kein G-Code und keine Werkzeugwege (das bleibt Aufgabe deines CAM), kein Common-Line-Cutting (wer Einstiche über gemeinsame Kanten sparen will, ist bei der Deepnest-Familie richtig), kein Rohr-Nesting, kein CDR-Import, kein Bitmap-Verschachteln. Die Bedienoberfläche ist derzeit englisch. Im eigenen Benchmark auf den 12 klassischen ESICUP-Instanzen schlägt NestForge SVGnest und deepnest-next auf 9 Instanzen, verliert 2 an SVGnest und endet einmal im Gleichstand; die Zahlen samt Seeds stehen im Benchmark-Abschnitt der Startseite.
Freemium am Rand: MyNesting und DG-Nest
MyNesting lässt dich kostenlos verschachteln, verlangt aber Geld für den DXF-Export (so beschreiben es Nutzer im CNCZone-Forum). DG-Nest fährt ein ähnliches Freemium-Modell. Beides kann passen, wenn du selten exportierst; als Dauerlösung für die Werkstatt rechnet es sich selten.
LightBurn und Fusion 360 haben kein kostenloses Nesting eingebaut
Zwei Programme tauchen bei dieser Frage immer wieder auf. LightBurn hat kein eingebautes automatisches Verschachteln: Die Funktion „Nest Selected" exportiert deine Auswahl als SVG, öffnet svgnest.com im Browser und importiert das Ergebnis zurück, so beschreibt es die offizielle LightBurn-Doku. Du nutzt also SVGnest, mit allen oben genannten Grenzen.
Fusion 360 kann verschachteln, aber hinter der Bezahlschranke: Die Arrange-Funktion ist in der kostenlosen Personal-Use-Lizenz nicht enthalten, und die Nesting-&-Fabrication-Extension kostet extra (nachzulesen in der Autodesk-Knowledge-Base). Der übliche Ausweg ist in beiden Fällen derselbe: Teile als DXF oder SVG exportieren, extern kostenlos verschachteln, Ergebnis zurückimportieren und dort weiterarbeiten.
Teste es mit deinen eigenen Dateien: Das NestForge-Free-Tier verschachtelt bis zu 10 Teile auf 1 Platte, ohne Zeitlimit und ohne Account: voller Importer, volle Engine, DXF-/SVG-/PDF-Export, und jedes Layout ist vom unabhängigen Validator geprüft. Alles läuft offline im Browser, deine Dateien verlassen deinen Rechner nicht. Ehrlich dazu: kein G-Code, kein Common-Line-Cutting, Oberfläche englisch. Wenn du genau das brauchst, bleib bei deepnest-next.
Kostenlos im Browser testenLäuft offline im Browser. Kein Upload, kein Account.